Gut – und gar
nicht teuer
TEXT Florian Flicke

Kritiker von E-Fuels führen gegen den breiten Marktstart synthetischer Kraftstoffe immer deren vermeintlich unbezahlbare Produktionskosten an. Doch dieser Kritikpunkt lässt sich leicht entkräften.

s gibt Zahlen, die immer wieder
genannt werden, aber oftmals eines zweiten Blicks bedürfen. Die 4,50 Euro pro Liter synthetischen Kraftstoffs sind dafür ein passendes Beispiel.
Noch im Frühjahr 2019 fand sich diese Zahl in einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen wieder. Neuere Gutachten gehen hingegen von einem sehr viel niedrigeren Preis ab rund 1,38 Euro pro Liter synthetischen Kraftstoffs (siehe dazu den Beitrag auf Seite 15) im Jahr 2050 aus. 1,38 Euro pro Liter E-Fuels-
Dieseläquivalent müssten demnach klimabewusste Autofahrer 2050 nur noch bezahlen, wenn die E-Fuels-Produktion volle Fahrt aufgenommen hat. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Status und Perspektiven flüssiger Energieträger in der Energiewende“ im Auftrag der Verbände der Mineralölwirtschaft. Vom Probelauf zum Marktdurchbruch. Die große Differenz zwischen 4,50 Euro und 1,38 Euro ist leicht zu erklären: Mit zunehmender Produktion der synthetischen Kraftstoffe verringern sich deren Produktionskosten. Denn mit zunehmender Produktionsmenge sinken die Grenzkosten rapide – „Economies of Scales“ nennen das die Betriebswirte.
Und auch an einer zweiten Stellschraube lässt sich drehen, um die Kosten im Griff zu behalten und Autofahrer nicht zu überfordern. Durch die nur allmähliche Beimengung von E-Fuels zu konventionellen Kraft- und Brennstoffen kann der Anteil der E-Fuels kontinuierlich, aber wohldosiert über die Jahre gesteigert werden – von anfänglich 4 Prozent im Jahr 2025 über 42 Prozent im Jahr 2035 bis schließlich zu 100 Prozent im Jahr 2050. Hierfür sind technologieoffene Rahmenbedingungen notwendig.

Die Folge des behutsamen Vorgehens: Während des Hochlaufs schlagen sich die im Vergleich zu konventionellen Kraftstoffen höheren, aber stetig sinkenden Kosten für reines E-Fuel im Verkaufspreis für Kraftstoff nur mit ihrem prozentualen Beimischungsanteil nieder. Das sorgt dafür, dass die Preise an der Tankstelle von heute an und während des gesamten Markthochlaufs der E-Fuels praktisch immer bezahlbar bleiben. Klimaneutralität für jedermann ist mithilfe flüssiger Kraft- und Brennstoffe also nachgewiesenermaßen sowohl mach- als auch bezahlbar. Die einzige Voraussetzung dafür: Die Politik muss zügig die richtigen Impulse in Richtung klimaneutrale Zukunft und internationaler Markthochlauf der E-Fuels setzen.