Anrechenbarkeit für
klimaneutrale PtX öffnen
textDirk Arne Kuhrt
Die Klimaziele bis 2050 stehen fest und sie sind ambitioniert. Für das Jahr 2030 werden sie erstmalig für jeden Sektor konkretisiert. Im Gebäudebereich ist bereits einiges geschafft worden, bis zur Klimaneutralität 2050 bleibt noch vieles zu tun. Die Gretchenfrage ist nun: Wie geht es am besten weiter?

n vielen Jahrzehnten hat sich – national und international – eine Energieversorgungsstruktur herausgebildet, die in hohem Maße auf die fossilen Energieträger Kohle, Gas und Öl setzt. Das hatte gute Gründe, unter anderem die technische Verlässlichkeit bei deren Anwendung, Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Vertretbarkeit, im Vergleich zur Kernkraftnutzung vielleicht auch noch die geringere Gefahrneigung. Mit der Festlegung der Klimaziele passen diese fossilen Energieträger nicht mehr in die künftige Welt. Klimaneutrale Energien werden zukünftig die Energieerzeugung, -versorgung und -nutzung zunehmend prägen. Entscheidend ist, ob die politischen Regularien dazu passen. Hier gibt es Handlungsbedarf.  

Gebäudesektor: Einiges erreicht und vieles zu tun

Im Vergleich zu 1990 konnte im Gebäudesektor bis heute ein Emissionsrückgang von über 40 Prozent verzeichnet werden, zu dem vieles beitrug, wie Gebäudesanierungen, Heizungsmodernisierungen, zunehmende Einkopplung erneuerbarer Energien, Neubauten mit besserer energetischer Qualität etc. Es wurde hier also einiges erreicht. Natürlich hätte es auch mehr sein können, weshalb breite Kreise der Wirtschaft viele Jahre und immer wieder eine technologieoffene steuerliche Förderung forderten. Für 2030 ist nun die weitere Emissionsreduktion bis auf 72 Millionen Tonnen CO2 festgelegt. Eine Projektion der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea) zeigt: Dieser Wert scheint nicht unerreichbar, obgleich er große Anstrengungen erfordern wird. Wie kann das gelingen? Die geea hat dazu in Zusammenarbeit mit zwei namhaften wissenschaftlichen Institutionen ein Maßnahmenpaket in die Diskussion gebracht.

Steuerliche Sanierungsförderung,
CO2-Bepreisung, PtX-Brennstoffe

Interessant dabei: Von den 14 Maßnahmen können finanzielle Anreize, wie die steuerliche Sanierungsförderung, flankiert von qualifizierter Kundeninformation einen großen Beitrag leisten. Das Ordnungsrecht dagegen wird nicht als zentrales Mittel angesehen, jedoch für bereits bestehende Regelungen ist ein besserer Vollzug ratsam. Aber auch mit diesem Paket verbleibt noch eine „CO2-Lücke“ bis 2030. Die gute Nachricht: Sie kann geschlossen werden – zum Beispiel mit der „Beschleunigung der Markteinführung von PtX-Brennstoffen“,
der „Einführung einer CO2-Bepreisung“ beziehungsweise eines THG-Zertifikatehandels und weiteren Maßnahmen. Die beschleunigte Markteinführung von PtX, an erster Stelle genannt, kann nach Ansicht der Experten auch bereits vor 2030 emissionsmindernde Effekte auslösen. Voraussetzung sei allerdings die Einleitung des internationalen PtX-Markthochlaufs.

„Die Zielerreichung ist möglich, am
effizientesten und kostengünstigsten auf einem technologieoffenen Pfad.“
Andreas Kuhlmann,
Vorsitzender der dena-Geschäftsführung und Sprecher der Allianz für
Gebäude-Energie-Effizienz (geea)
Hohe Konzentration auf den inter-
nationalen PtX-Markthochlauf

Daraus kann sich nur eine Konsequenz für die Politik ergeben: mit hoher Konzentration schnellstmöglich den inter­nationalen Markthochlauf von PtX
ermöglichen. PtX, in großen Mengen in sonnen- und windreichen Regionen herstellbar und von dort sehr gut importierbar, können verlässlich und wirtschaftlich in die Klimaneutralität führen. Und: Mit Beimischung zu konventionellen flüssigen und gasförmigen Brennstoffen könnten sich erste Effekte, dann auch im Gebäudebereich, zügig einstellen.
Notwendige Voraussetzung: Anrechenbarkeit für PtX
Der zunehmende Einsatz von PtX in energetisch effizienten Gebäuden und modernen Heizungen könnte also ein breitenpraktikabler klimaneutraler Lösungsweg sein. Einzig und allein die Anrechenbarkeit von PtX, ob flüssig oder gasförmig, ist noch im Gebäudeenergiegesetz (kurz GEG) unterzubringen. Da das GEG derzeit noch verhandelt wird, hat die Politik es jetzt in der Hand, die Tür für die effiziente Anwendung von PtX im Gebäudebereich zu öffnen und damit dem klima­neutralen Gebäude­sektor einen großen Schritt näher zu kommen. Zudem würde erst ein möglichst breites Angebot kli­mazielkonformer Technologien den Verbrauchern ermöglichen, sich optimal von den künftigen CO2-Preiskosten „befreien“ zu können – hier wird auch die sozialpolitische Relevanz einer PtX-Anrechenbarkeit erkennbar.