Problemfall Abregelung
„Alle Räder stehen still … wenn der Netzbetreiber es so will“, müsste das Bundeslied des SPD-Vorläufers Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein in seiner modernen, energiepolitischen Version heute lauten. Seit Jahren ist in Deutschland das Phänomen zu bestaunen, dass Anlagen immer wieder aus dem Wind gedreht werden. Allein im ersten Quartal 2019 sind durch die sogenannte Abregelung der Windparks in Deutschland mehr als 3,2 Milliarden Kilowattstunden sauberer Strom verloren gegangen. Der Grund: Die vorhandenen Netzkapazitäten reichten für den Abtransport des Stroms nicht mehr aus. Diese Ultima Ratio, die Netzbetreiber wählen dürfen, um ihre Netze zu stabilisieren, reißt die Betreiber der Anlagen immerhin nicht in den Ruin. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz ist genau für diesen Fall ein Anspruch auf Entschädigung verbrieft. Mit den 3,2 Milliarden Kilowattstunden abgeregelten Strom könnte man grüne E-Fuels herstellen, um 100.000 Haushalte ein Jahr lang zu beheizen oder 4 Milliarden Kilometer mit einem Pkw zurücklegen. Diese Beispiele zeigen, dass erneuerbar erzeugter Strom besser vor Ort genutzt werden kann, wenn er mittels E-Fuels-Techno­logie auch speicherbar gemacht wird.