Henning Krumrey,
Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Berlin und Köln und absolvierte die Kölner Journalistenschule. Energieexperte Krumrey
war unter anderem
stellvertretender
Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“.
„Es reicht nicht einmal,
zu rufen: zu viel des Guten. Denn es ist zu viel des Schlechten.“

as wurde der Club of Rome in den vergangenen Jahrzehnten als ökologische Vordenkertruppe gefeiert! Mit ihrer Studie genannten Denkschrift „Die Grenzen des Wachstums“ beschwor das Gremium das Ende unseres vertrauten Wirtschaftsmodells: Der Welt gingen schlicht die Rohstoffe aus. Die beauftragten Wissenschaftler hatten dafür zwar gerechnet, aber nicht ökonomisch gedacht. Rein physisch sind Ressourcen endlich – ökonomisch sind sie es nicht. Denn der letzte Tropfen Öl wird nie an die Oberfläche gepumpt, weil das so teuer wäre, dass niemand ihn kaufen wollte. Die Umwelt, die keinen Preis hat, wird in der Tat hemmungslos übernutzt und ruiniert.
Die Rohstoffe – gerade die Energie-träger – jedoch konkurrieren miteinander. Steigt der Preis für die Steinkohle, die aus immer größerer Tiefe gefördert werden muss, ist irgendwann die Braunkohle günstiger oder das Erdöl oder – ja – auch die Solarenergie oder der Windstrom.Bei einer verantwortlichen Energiepolitik geht es also nicht um die Frage, ob wir genug Kraftquellen für Strom und Wärme haben, sondern ob sich alle noch die angebotene Energie leisten können. „Fünf Mark pro Liter Benzin“, wie es einst die Grünen forderten – bei dem Preis könnten der Polizist und die Krankenschwester nicht mehr aus dem Münchner Umland zur Arbeit in die Stadt fahren. Das Prinzip gilt sogar beim Stromsparen: Wer genug Geld hat, kann sich den Supereffizienz-Kühlschrank mit A+++- Bezeichnung leisten, Sozialhilfeempfänger können das nicht und müssen mit der alten Energieschleuder zurechtkommen.  

Und es gilt erst recht für die Energiewende: Der gründurchwirkte Studienrat kann sich hoch subventionierte Solarpaneele aufs Dach des Einfamilienhauses schrauben und damit Stromrechnung und Gewissen schönen – die Kleinrentnerin im zweiten Hinterhof dagegen bezahlt dies mit ihrer EEG-Umlage.
Auch das Elektroauto können sich bislang nur Mobilitäts-Krösusse leisten – wer durch Dieselfahrverbote teilenteignet wird, kann es nicht.
Die Messstelle für diese Prüfung hat jeder Bürger stets parat: sein Portemonnaie. Die Sonne schickt zwar keine Rechnung, wie Öko-Naivlinge immer gern daherbeten, wohl aber tun dies die Autohersteller und die Produzenten von Solaranlagen. Und die Bundesregierung, die über Steuereinnahmen den Subventionsrausch refinanziert.
Eine verantwortliche Energiepolitik, die Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit für alle Bevölkerungsgruppen ernst nimmt, muss deshalb dafür sorgen, dass alle mobil bleiben und heizen können, ohne im Dunkeln zu sitzen. Wer mit fastdreistelligen Milliardenbeträgen aus der Kohle aussteigt, den Strom durch allerlei Umlagen verteuert und bei der Heiz- und Mineralölsteuer deftig abkassiert, erfüllt diese Vorgaben nicht. Im Gegenteil:
Er überfordert die Bürger und die Volkswirtschaft. Es reicht nicht einmal, zu rufen: zu viel des Guten. Denn es ist zu viel des Schlechten. Deshalb: Schluss mit der energiepolitischen Geisterfahrt! Wärme, Licht und Mobilität müssen für die ganz normalen Bürger bezahlbar bleiben. 

Energieversorgung ist keine Frage von Knappheit, sondern von Verteilungsgerechtigkeit

Geisterfahr-Verbot