Henning Krumrey,
Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Berlin und Köln und ab­solvierte die Kölner Journalistenschule. Energieexperte Krumrey war unter anderem stellvertretender Chefredakteur der Wirtschaftswoche.
Legalize - Gigafactory!

lon Musk ist eine schillernde Persönlichkeit. Der 48-jährige gebürtige Südafrikaner ist Öko­pionier und Kapitalist, Visionär und Macher. Das macht es mit den Schubladen ein wenig schwierig, in die jeder bei politischen Debatten flott einsortiert wird. Die Entscheidung des forschen Amerikaners, die erste „Tesla Gigafactory“ Europas im randenburgischen Grünheide bei Berlin zu errichten, zwingt die Grünen in Deutschland nun dazu, Farbe zu bekennen: Wie ernst ist es ihnen mit dem Elektroauto – und mit den Folgen dieser Technologieentscheidung?
Eigentlich müsste die gesamte Ökogemeinde lauthals jubeln. Endlich kommt einer, der die Elektromobilität schneller voranbringt als die Bundesregierung und dabei gleich noch die heimischen Automobilhersteller ordentlich auf Trab bringt. Also her mit der gigantischen Produktionsstätte, hineingepflanzt in den märkischen Sand!
Doch Deutschland wäre nicht Deutschland, meldeten sich nicht sofort allerhand Bedenkenträger zu Wort. Denn in der Mark Brandenburg (die nicht so verödet ist, wie sie der Liedermacher Rainald Grebe besingt) sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht. Sondern auch Raubvögel, verschiedene Fledermäuse und seltene Reptilien. Also warnt der Bund für Umwelt- und Naturschutz schon mal vor allzu eilfertiger Freude über die geplante Industrieperle. Insbesondere die Grünen müssen sich nun entscheiden: Batteriefabrik oder Baumfalke, E-Mobil oder Eidechse, Musk oder Mausohr.
Das Land Brandenburg, seit November von der Ökopartei mitregiert (aber nun auch von der CDU), hatte in den Verhandlungen mit dem milliardenschweren Investor vor allem mit zwei Argumenten für sich als Industriestandort geworben: reichlich Platz und sauberer Strom. Das vermeintlich grüne Elektroauto könne in der Mark auch ökologisch hergestellt werden. Schließlich habe Brandenburg „den Rohstoff der Zukunft, wir haben erneuerbare Energien“,

hatte SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke getönt. Zwar liegt Brandenburg bei der Pro-Kopf-Leistung an Ökostrom deutschlandweit tatsächlich vorn, aber um die Großfabrik zu erleuchten, müssten schon noch ein paar Megawatt hinzukommen. Und trotzdem geht es in den ersten Jahren der märkischen Autoproduktion nicht ohne konventionelle Quellen (einschließlich des Braunkohlekraftwerks in Jänschwalde). Denn Musks Bänder sollen ja wohl kaum nur bei Wind und Sonnenwetter laufen und bei Dunkelflaute stillstehen.
Freilich hatte die Berliner Umweltsenatorin Regine Günther – parteilos, aber von den Grünen ins Amt gebracht – unlängst bei einer Veranstaltung just des CDU-Wirtschaftsrats bereits ein neues Kampffeld eröffnet. Natürlich gehe es erst mal darum, den Verbrennungsmotor aus dem Zentrum Berlins zu verbannen, schließlich aus der gesamten Hauptstadt. Aber das könne nur der erste Schritt sein, schließlich seien unsere Städte viel zu stark aufs Auto(fahren) ausgerichtet und ließen dem Menschen nicht genug Lebensraum. Deshalb müsse man daran­gehen, „den Individualverkehr insgesamt einzuschränken“.
Das wäre nach der staatlich geförderten Diesel-Welle schon der nächste Streich in Sachen Investitionssicherheit für die Bürger: Erst kaufen sie sich die politisch laut beworbenen Batterie-Stromer (und verzichten auf Wasserstofffahrzeuge, Gasmobilität und synthetische Kraftstoffe), dann wird ihnen die Nutzung selbst des als sauber propagierten Privatwagens in der Metropole gänzlich verboten. So verleidet man den Bürgern nicht nur den Start, sondern auch den Staat.
Vielleicht hilft es den Grünen ja, dass Musk eigenem Bekenntnis zufolge bei einem anderen Thema mit den Ökos auf einer Wellenlinie liegt. Denn manchmal neigt er nicht nur zum Geschwindigkeitsrausch. Also: Legalize – Gigafactory! 

Tesla und die Grünen – ein Verhältnis, das durch den geplanten Bau der Gigafabrik in Deutschland auf eine Probe gestellt wird.

Farbe bekennen:
Ökologie oder Ideologie