Henning Krumrey,
Jahrgang 1962, studierte Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Berlin und Köln und ab­solvierte die Kölner Journalistenschule. Energieexperte Krumrey war unter anderem stellvertretender Chefredakteur der Wirtschaftswoche.
„Wer das Klima retten will, sollte dies nicht nur effektiv, sondern auch effizient tun.“

er mit einer Bepreisung von Kohlendioxid Erfolg haben und vor allem wiedergewählt werden möchte, tut gut daran, ein paar einfache Regeln zu beherzigen: Das Konzept sollte
1. sachlich logisch,
2. wirkungsvoll und
3. sozial gerecht sein.

Wie müsste ein solches Konzept aussehen? Sachlich logisch ist es, CO2 einen einheitlichen Preis zu geben, also nicht nach den einzelnen Quellen zu unterscheiden. Denn dem Klima ist es egal, ob das Molekül aus einem Auspuff, einem Fabrikschornstein oder einem Kraftwerkskessel dringt. Seine Wirkung ist die gleiche. Wer das Klima retten will, sollte dies nicht nur effektiv, sondern auch effizient tun. Ein einheitlicher Preis ordnet die Vermeidungskosten richtig zu. Wer dann beklagt, dass die Autofahrer auf zu geringe Preissignale nicht reagieren, ignoriert zum einen die Präferenzen der Bürger, zum anderen überschätzt er die Gefahren der Verbrennungsvehikel. (Logisch wäre es übrigens, auch den Methan­ausstoß zu bepreisen, denn dieses Gas, das vor allem Rindviechern entweicht, schadet dem Klima viel aggressiver als Kohlendioxid.)
Wirkungsvoll ist die CO2-Bepreisung, wenn sie tatsächlich zu einer Verringerung der Treibhausgase führt. Über eine Steuer ist das schwierig, denn zum einen werden weder Wissenschaftler noch Politiker auf Anhieb den richtigen Steuersatz treffen, der eine ausreichende Reduktion auslöst.
Zum anderen lässt sich nicht vorhersagen, ob und wie die Verbraucher und die Wirtschaft reagieren, ob sie die höheren Kosten einfach schlucken und anderswo sparen oder welche Ausweichreaktionen sie unternehmen. Effektiver ist daher die Ausweitung des Emissionshandels auf alle Wirtschaftsbereiche.

Denn damit lässt sich die Menge des Treibhausgases festlegen, das jedes Jahr in die Luft geblasen werden darf. Und jedes Jahr lässt sich die erlaubte Menge reduzieren, indem die Zertifikate um den entsprechenden Faktor gekürzt werden.
Sozial gerecht – das ist das größte Problem. Nicht nur, weil Gerechtigkeit höchst subjektiv ist. Sondern auch, weil hohe persönliche CO2-Werte oft nicht überbordendem Wohlstand und prahlerischem Konsum entspringen, sondern finanzieller Knappheit.
Der Polizist, der sich mit seinem überschaubaren Gehalt keine Wohnung in München leisten kann und deshalb als Pendler ins Umland zieht; die alleinerziehende Krankenschwester, die sich keinen A+++-Kühlschrank leisten kann, um damit Strom zu sparen; das Rentnerehepaar, dem ein paar Tausender fehlen, um den alten Heizkessel gegen ein sparsames Öl-Brennwertgerät auszutauschen: Sie alle können nicht ohne weiteres sparen.
Müssen sie aber, wenn wir alle zusammen das Ziel erreichen wollen.
Deshalb genügt es nicht, nur pauschal jedem Bürger einen Scheck über beispielsweise 300 Euro in die Hand zu drücken, damit sich der Staat nicht an der CO2-Bepreisung bereichert (und der Bürger bei der nächsten Wahl nicht grantig reagiert). Schlauer ist es, mit einem Förderprogramm die Einsparung der Klimagase zu beschleunigen. Denn das wirkt nicht nur doppelt (höherer Preis und günstigere Einspartechnik), es ist auch gerechter. Denn warum sollen nur Wohlhabende einen Bonus bekommen, wenn sie ein teures Elektroauto kaufen, aber andere Bürger nicht, die in eine saubere Heizung oder Motoren für Biokraftstoffe investieren?

Ist die Faktenlage auch noch völlig unsicher, der Weg völlig offen, so ist politisch doch die Lösung schon klar: CO2 muss teurer werden, um die selbst gesetzten deutschen Klima­schutzziele noch zu erreichen. Zwar nicht für 2020, aber wenigstens für 2030.

Der Preis ist heiß!