Rennsport
Klimaschutz
E-Fuels in der Formel 1
Von den gut 58 Millionen Fahrzeugen, die in Deutschland zugelassen sind, fahren mehr als 57 Millionen mit Diesel oder Benzin. „Wenn die Klimaschutzziele im Verkehr erreicht werden sollen, braucht es eine Lösung für diesen Bestand“, sagt ADAC-Technikpräsident Karsten Schulze. Zumal immer neue Autos mit Verbrennungsmotor hinzukommen und das Durchschnittsalter der Autos steigt – was umgekehrt bedeutet, dass auch in zehn Jahren noch Millionen Autos mit Verbrennungsmotor über die Straßen rollen werden. E-Fuels, Kraftstoffe, die aus Kohlendioxid und Ökostrom hergestellt werden, seien am besten geeignet, die Kohlendioxidemissionen deutlich zu verringern. Tatsächlich wird bei der Nutzung nur so viel CO2 frei,  wie bei der Herstellung des Kraftstoffs aus der Luft entnommen worden ist. Der ADAC, mit 21,2 Millionen Mitgliedern Europas größter Verkehrsclub, begrüßt die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung, die auch die Herstellung von E-Fuels beinhaltet, bemängelt aber, dass es zu langsam vorangeht. 
Die E-Auto-Prämie der Bundesregierung im Kampf gegen die Corona-Krise schadet der Wirtschaft und hemmt Innovationen – zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Aus Sicht der Ökonomen sollte die im Konjunkturpaket festgeschriebene Förderung der Elektromobilität (Erhöhung der Kaufprämie von 4.000 auf 6.000 Euro) ersatzlos gestrichen werden. „Mit der einseitigen und massiven Förderung der Elektromobilität benachteiligt der Staat alternative Antriebskonzepte, die sich möglicherweise später als vorteilhafter erweisen“, sagte IfW-Experte Claus-Friedrich Laaser dem Handelsblatt. Mit anderen Worten: Ob sich Elektromotoren und Batteriespeicher im Autoverkehr durchsetzen – oder letztlich doch eine andere Technologie –, sei noch nicht endgültig absehbar. Laaser: „Problematisch ist nicht das Ziel der Klimaschutzmaßnahmen, sondern deren Ausgestaltung.“ Die Förderung einzelner Technologien oder Verhaltensweisen sei nicht effizient. Vorzuziehen wäre aus gesamtwirtschaftlicher Sicht eine komplett technologieoffene Förderung. 
„Schädliche“ E-Prämie
Mobilität
Premiere in der automobilen Königsklasse: Ab 2021 wird der Sprit für die Formel-1-Boliden 20 Prozent synthetischen Treibstoff (E-Fuels) enthalten. Zwei Jahre später sollen es dann 100 Prozent sein. Für Norbert Haug, den ehemaligen Motorsportchef von Mercedes-Benz, sind E-Fuels unabdingbar und Teil einer Umweltstrategie: Es gelte „das zu erhalten, was ich habe, statt es wegzuwerfen“. Also weiterhin Verbrennungsmotoren zu nutzen, statt sie zu ersetzen. Der Ausrichter der Rennen, der Weltverband FIA, will den Motorsport so aus der Kritik bringen und den Konstrukteuren das Leben erleichtern: Wenn die Flitzer der Formel 1 umweltneutral unterwegs sind, brauchen sie keine Hybridantriebe, also zusätzliche Elektromotoren, mehr. Mit E-Fuels sind alle Verbrennungsmotoren grün. Der Schweizer Motorenspezialist Mario Illien, der zuletzt für den Renault-Rennstall gearbeitet hat, betont: „Synthetischer Kraftstoff macht nur Sinn, wenn die Energie, die zu seiner Herstellung gebraucht wird, komplett aus erneuerbaren Quellen stammt.“ 
ADAC: Ohne E-Fuels geht es nicht
PtX:
Erste Großanlage
In Herøya, Norwegen
Nachdem die Pilotanlage des Dresdner E-Fuels-Pioniers Sunfire auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie erfolgreich Treibstoffe aus Luft und Wasser hergestellt hat, entsteht jetzt die erste großtechnische Anlage. Sie wird für Nordic Blue Crude im norwegischen Herøya errichtet. „Wir verlassen die Pilotphase und gehen jetzt zum ersten Mal in die Kommerzialisierung“, sagt Sunfire-CEO Carl Berninghausen im Handelsblatt. Herzstück ist die Hochtemperatur-Elektrolyseanlage der Dresdner. Darin entstehen in einem Durchgang Synthesegas aus Kohlendioxid, das aus der Luft gewonnen wird, Wasser und Ökostrom. Das Synthesegas wird in Treibstoffe wie Benzin, Kerosin und Diesel umgewandelt. 2023 soll die Anlage mit einer Jahresproduktion von zehn Millionen Litern in Betrieb gehen. In den darauffolgenden Jahren wird die Kapazität verzehnfacht. „Wir müssen zeigen, dass es funktioniert und auch wirtschaftlich ist. Dann werden andere Unternehmen unserem Beispiel folgen“, ist Berninghausen überzeugt. Die Power-to-X-Technologie (PtX) gilt als wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Energiewende. Das „X“ steht für strombasierte flüssige (PtL) oder gasförmige (PtG) Kraft-
und Brennstoffe.