Wohlstand
Durch
Energiepolitik

Afrika ist der von den Folgen des Klimawandels am stärksten bedrohte Erdteil. Doch der Wandel birgt auch Chancen: Durch die Umstellung auf erneuerbare Energien könnten die Länder Afrikas sowohl eigenen Wohlstand generieren als auch ihren Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten. Die Nutzung von Sonnen- oder Wasserkraft ist dabei genauso eine Option wie die Produktion von grünem Wasserstoff und grünen synthetischen Kraft- und Brennstoffen – eine Zukunftsvision.
„Afrika hat die
Möglichkeit, als erster
Kontinent überhaupt ein
grüner Kontinent
zu werden.“
Kofi Annan,
ehemaliger UN-Generalsekretär
TEXT Florian Sievers

ie Anlage, die unweit der südmarokkanischen Stadt Ouarzazate in der roten Geröllwüste entsteht, heißt „Noor“. Das ist Arabisch und bedeutet „Licht“ – und davon gibt es hier, wo fast 365 Tage im Jahr die Sonne vom Himmel brennt, mehr als genug. Noor soll das größte Solarkraftwerk der Welt werden, ein Ensemble aus Sonnenkollektoren, Türmen, Tanks und Gebäuden auf einer Fläche von 3.000 Hektar. Schon jetzt hat das Solarwärmekraftwerk eine Gesamtleistung von 580 Megawatt. Nach ihrer Fertigstellung soll sie Strom für 1,3 Millionen Menschen liefern.

Zurzeit noch importiert Marokko mehr Strom als jedes andere Land in Nordafrika und im Nahen Osten. Meist stammt er aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Aber das Land will seine Produktion von erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren massiv ausbauen. Bis 2030 soll sich deren Anteil auf 52 Prozent fast verdoppeln.
Auch im Rest Afrikas basiert die Energieversorgung meist noch überwiegend auf fossilen Energieträgern. Aber vielerorts zwischen Kairo und Kapstadt gewinnen erneuerbare Energien an Gewicht. So plant Ägypten, den Erneuerbare-Anteil an der Stromversorgung bis 2035 von 10 auf 37 Prozent zu steigern. Und sogar Nigeria, Afrikas größter Ölproduzent, will 2030 immerhin rund 20 Prozent seiner Stromversorgung über Energie aus Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft sichern. Insgesamt könnte der Kontinent nach Schätzungen der International Renewable Energy Agency (IRENA) bald rund ein Viertel seines Energiebedarfs über erneuerbare Energiequellen decken. „Afrika hat die Möglichkeit, als erster Kontinent überhaupt ein grüner Kontinent zu werden“, sagte der im heutigen Ghana geborene ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan schon 2016.
Ausgezeichnete Bedingungen für erneuerbare Energien
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn Afrika verfügt über ausgezeichnete Ressourcen für die Produktion von erneuerbaren Energien. So ist die Sonneneinstrahlung auf dem Kontinent so stark wie fast nirgendwo sonst auf der Welt. Im Durchschnitt schickt die Sonne hier mehr als doppelt so viel Energie auf die Erde wie in Deutschland, der Nummer eins bei der Solarenergie­produktion. Nach Berechnungen der IRENA liegt das Potenzial für die Stromerzeugung mit konzentrierter Solarenergie in ganz Afrika bei rund 470.000 Terawatt­stunden (TWh). Zum Vergleich: Der weltweite Primärenergiebedarf belief sich 2018 auf 166.000 TWh. Theoretisch könnte Afrika also weit mehr als das Doppelte des weltweiten Energiebedarfs allein über Solarenergieproduktion abdecken.
Auch Windkraft lohnt sich wegen des starken Winds an der langen afrikanischen Küste oder in Gebirgen. Wasserkraft hat großes Potenzial in Ländern mit großen Flüssen, etwa in Äthiopien, das gerade am Blauen Nil die gewaltige Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre errichtet. Geothermie bietet sich vor allem im Ostafrikanischen Graben an, der sich über 5.900 Kilometer von Äthiopien bis Mosambik zieht. Zudem sorgt das feuchtwarme Klima vielerorts für ein enormes Wachstum von potenziell verwertbarer Biomasse. Die enormen Potenziale für erneuerbare Energien und die sehr guten Standortbedingungen für Solar, Wasser- und Windkraft könnten nicht nur den afrikanischen Energiebedarf vollständig decken, Afrika kann darüber hinaus zu einem bedeutenden Exporteur erneuerbarer Energie für den Rest der Welt werden: Afrika eignet sich also besonders als Standort zur Erzeugung klimaneutraler Energieträger für den globalen Markt. So könnte der Kontinent etwa saubere Energie für die deutsche Industrie liefern und Deutschland insgesamt bei der Defossilisierung des Energiesystems unterstützen. Hier sollte Deutschland nicht nur im eigenen Interesse mit seiner Entwicklungspolitik ansetzen. Denn damit tun sich in Afrika große Chancen für Wirtschaftswachstum auf – und die Möglichkeit, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastung vom Wachstum zu entkoppeln.
Ein Umsatteln auf Erneuerbare brächte also eindeutige Vorteile mit sich. So würden nicht nur im Energieversorgungssektor neue Jobs entstehen, sondern vor allem Arbeitsplätze in den unterschiedlichsten Branchen, die durch eine bessere Stromversorgung prosperieren. Die bessere Versorgungslage würde vielerorts eine modernere Landwirtschaft ermöglichen. Armut und Hunger gingen zurück.
Zudem müssten Menschen nicht mehr mit Holz oder Kohle kochen. Außerdem schont der Umstieg vom Feuerholz die Wälder und Savannen. So trügen die erneuerbaren Energien in Afrika auch zum Klimaschutz bei – denn das ist eine globale Aufgabe. Afrika ist der von den Folgen des Klimawandels am stärksten bedrohte Kontinent.
„Die große Frage ist, wie schnell können sich diese Länder selber mit erneuerbaren Energien versorgen – und diese dann eventuell sogar exportieren?“, fragt Hanns Koenig vom Beratungsunternehmen Aurora Energy Research. Ein Beispiel von vielen größeren Projekten ist das kenianische Geothermie-Kraftwerk Olkaria III mit 139 Megawatt. Solche Anlagen können – zusammen mit anderen technischen Lösungen – die Lebensbedingungen vieler Menschen verbessern.
Das ist aber nur in größerem Maßstab machbar.
Wenig Verbrauch, geringe Produktion  
Dabei sind die Herausforderungen allerdings enorm. Zwar verursachen Afrikaner pro Kopf bislang nur vergleichsweise geringe Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen. Dies aber nur, weil große Teile der Bevölkerung in Armut leben, weshalb der Kontinent wenig Energie erzeugt und verbraucht. So liegt die Kapazität zur Stromerzeugung in ganz Afrika bei gerade einmal 160 Gigawatt. Das ist ungefähr so viel wie in Japan – wo aber im Vergleich zu Afrika nur ein Zehntel der Menschen lebt.
Fast die Hälfte aller Afrikaner, insgesamt rund 600 Millionen Menschen, hat keinen Zugang zu Elektrizität, der Großteil davon auf dem Land. Aber auch produzierende Unternehmen, die sich oft in größeren Städten angesiedelt haben, müssen nach Angaben der African Development Bank an 56 Tagen im Jahr Zwangspausen wegen Stromausfällen einlegen. Die mangelhafte Energieversorgung kostet den Kontinent der Weltbank zufolge jährlich 2 Prozent Wachstum. „Die ökonomische und soziale Entwicklung in Subsahara-Afrika hängt davon ab, dass wir den Energiesektor in den Griff bekommen“, stellte Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) der OECD, 2014 fest.
In den kommenden 30 Jahren wird sich die Bevölkerung Afrikas nach Schätzungen der United Nations Population Division ungefähr verdoppeln. Schon allein deshalb wird der Energiehunger des Kontinents rasant zulegen. Zugleich wächst in einigen Regionen der Wohlstand, was den Bedarf weiter ankurbelt. „Was aber passiert, wenn sich Afrika zukünftig als der ‚ganz schwarze Kontinent‘ positioniert und seinen wachsenden Energiebedarf über 1.000 neue Kohlekraftwerke deckt?“, fragt Professor Franz Josef Radermacher, Vorstand des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung der Universität Ulm sowie Mitglied des Club of Rome. Denn damit könnte der Kontinent nach aktuellem Stand seinen Energiebedarf vergleichsweise preiswert decken. Zudem wurden jüngst mehrere große Öl- und Gasvorkommen entdeckt – es wäre nur zu verständlich, wenn die afrikanischen Staaten diesen Schatz nicht im Boden belassen würden.
Es sei denn, es wäre dank einer modernen, nachhaltigen Versorgung mit erneuerbaren Energien wirtschaftlich gar nicht mehr attraktiv, die fossilen Energieträger abzubauen – und es rentierte sich vielleicht sogar mehr, auf grünen Strom zu setzen. „Die Wirtschaft des Kontinents könnte viermal so groß sein wie heute und dabei doch nur 50 Prozent mehr Energie verbrauchen“, erklärt Laura Cozzi, Forschungsleiterin des aktuellen „Africa Energy Outlook“ der IEA.
Voraussetzung seien ein Wandel hin zu modernen Energiequellen wie erneuerbarem Strom und PtX, aber auch Effizienzverbesserungen.
Zukunftspotenzial
In Tarfaya im Süden Marokkos steht der zweitgrößte Windkraftpark Afrikas. 131 Turbinen mit je 2,3 Megawatt (MW) Leistung erzeugen dort 301 Megawatt Strom.
Aufforstung:
Eine Arbeiterin kümmert sich um einen Setzling in der Cashew-Forschungsstation bei Wenchi, Ghana.
Innovative Technik:
Ein Spezialfahrzeug reinigt die Parabolrinnen des Solarthermischen Kraftwerks Ain Beni Mathar in Marokko. 20 Megawatt Strom werden hier aus Sonnenkraft erzeugt.
Nachhaltige Bewässerung:
Im Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark in Norden von Südafrika arbeitet ein Brunnen mithilfe von Solarstrom.
„Die ökonomische und soziale Entwicklung in Subsahara-Afrika hängt davon ab,
dass wir den Energiesektor
in den Griff bekommen.“

Fatih Birol,
Chef der Internationalen
Energieagentur (IEA) der OECD
„Die Wirtschaft des Kontinents könnte viermal so groß sein wie heute und dabei doch nur 50 Prozent mehr Energie verbrauchen.“
„Der beste Weg zu stabilen Verhältnissen in Afrika – wie überall sonst auch – ist der, dass die Menschen dort ordentlich Geld verdienen.“
Laura Cozzi,
Forschungsleiterin des aktuellen
„Africa Energy Outlook“ der IEA
Professor Franz Josef Radermacher,
Vorstand des Forschungsinstituts für
anwendungsorientierte Wissensverarbeitung der
Universität Ulm sowie Mitglied des Club of Rome
Steigender Energiebedarf:
In den kommenden 30 Jahren wird sich die Bevölkerung Afrikas verdoppeln.
Wasserstoff aus den Wüsten
Auf das Potenzial Afrikas als Produzent grüner Energieträger angesprochen, bestätigt Professor Franz Josef Radermacher von der Universität Ulm die sich für den Kontinent aus der Produktion grüner Kraft- und Brennstoffe ergebenden wirtschaftlichen Chancen. Damit könnten die afrikanischen Staaten nicht nur ihren Energiesektor klimaverträglich ausbauen, sondern die grünen Energieträger auch in Industriestaaten exportieren, wo sie zu E-Fuels weiterveredelt werden. Diese könnten dann wiederum auch in afrikanischen Ländern zum Einsatz kommen. Die erforderlichen jährlichen Investitionen dafür liegen dabei Franz Josef Radermacher zufolge bei rund 600 Milliarden Euro. Viel Geld, das die Industrieländer vorstrecken sollten – auch zum eigenen Vorteil, weil sich über diesen Prozess sehr effektiv Kohlendioxid einsparen ließe. Radermacher schätzt, dass sich durch synthetische Kraft- und Brennstoffe oder zumindest das Herstellen der Vorprodukte in afrikanischen Regionen mit Solarstrom vier Fünftel der in den Industrieländern notwendigen Emissionseinsparungen erzielen lassen, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen.  „Damit ist Klimaschutz unterm Strich viel billiger und effizienter, als wenn wir hierzulande alle auf Elektroautos umsteigen und sämtliche Wohnhäuser komplett isolieren“, so Radermacher.  
Zugleich jedoch müssten die afrikanischen Staaten umfangreich auf degenerierten Flächen in den Tropen aufforsten und in Maßnahmen in Savannen und semi-ariden Gebieten dafür sorgen, dass sich neuer Humusboden bildet, den dann Landwirte bearbeiten können. Das bringt nicht nur der rasch wachsenden Bevölkerung Nahrung auf den Tisch und sorgt für Arbeitsplätze. Gesunde Regenwälder, Savannen und Ackerböden binden auch weiteres Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Zudem würde die Produktion von Wasserstoff beziehungsweise Methanol für Wohlstand in den Staaten sorgen, welche die Energie der Zukunft in alle Welt liefern. „Der beste Weg zu stabilen Verhältnissen in Afrika – wie überall sonst auch – ist der, dass die Menschen dort ordentlich Geld verdienen“, sagt Radermacher.
E-Fuels und auch Biokraftstoffe könnten zudem dafür sorgen, dass auch der Verkehr in Afrika auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Schon die mangelhafte Netzerschließung behindert fast jegliche Elektrifizierung des Automobilverkehrs – und an eine Infrastruktur aus E-Ladesäulen ist bislang überhaupt nicht zu denken. Dabei wird sich die Zahl der Pkw auf dem Kontinent bis 2040 der IEA zufolge mehr als verdoppeln. Meist sind dies alte Autos aus Europa und Japan, die dort nicht mehr den Umweltschutzstandards genügen. Doch mit E-Fuels lassen sich selbst solche alten Fahrzeuge nach modernstem Standard betreiben: klimaneutral. 

„Grüne Energie
aus Afrika für den
deutschen Markt“

Interview Gerhard Walter
Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärt, warum die Staaten Afrikas eine wichtige Rolle beim globalen Klimaschutz spielen können – und welche Chancen sich dabei auch für deutsche Unternehmen ergeben können.
Herr Müller, Afrika hat nach Meinung vieler Expertinnen und Experten das Zeug, zum weltweiten Vorreiter in der Klimapolitik zu werden. Teilen Sie diese Ansicht?

Unbedingt. Die Lösung der Energie- und Klimakrise liegt in
Afrika. Europa braucht mehr erneuerbare Energie. Und Afrika kann sie liefern. Wir haben die Technologie und Afrika hat Sonne, Wasserkraft und viele motivierte junge Menschen. Aber auf beiden Seiten sind die Potenziale noch nicht ansatzweise ausgereizt. Die Afrikanische Entwicklungsbank hat ausgerechnet: 350 Gigawatt könnten
aus Wasserkraft kommen, 110 GW aus Wind, 15 GW aus Geothermie und bis zu 1.000 GW aus Sonnenenergie. Vielen afrikanischen Ländern fehlen aber Know-how und Kapital, diese Chancen zu nutzen. Deshalb brauchen wir eine neue strategische Zusammenarbeit mit Afrika.

Klar ist: Afrika darf nicht zum schwarzen Kontinent der Kohle werden, es muss der grüne Kontinent der erneuerbaren Energien werden. Die Chancen dafür sind nicht schlecht. Bis 2050 könnten fast 90 Prozent des weltweiten Energiebedarfs mit Erneuerbaren gedeckt werden. Es ist also höchste Zeit, Afrika als Investitionsstandort zu entwickeln. Unser Nachbarkontinent bietet zum Beispiel ideale Bedingungen für die Herstellung von klimaneutralen Kraftstoffen wie grünem Wasserstoff und Methanol.

Die Folgen wären katastrophal. Schon heute haben 600 Millionen Afrikaner keinen Zugang zu Strom. In
30 Jahren werden Afrika und Indien auf vier Milliarden Menschen anwachsen. Wenn künftig jeder Haushalt eine Steckdose auf der Basis von Kohle bekommt, müssten rund 1.000 Kohlekraftwerke gebaut werden. Das wäre ein Super-Gau für das Klima. Das hält der Planet nicht aus. Viele dieser Klimakiller sind bereits in Planung. Deswegen brauchen wir einen Technologietransfer für erneuerbare Energien.

Die deutsche Wirtschaft könnte mit innovativen Energie- und Klimaschutzprojekten einen völlig neuen Zukunftsmarkt erschließen. Viele deutsche Unternehmen – auch Mittelständler – sind im Bereich der Erneuerbaren Weltmarktführer. Und sie haben in Afrika einen ausgezeichneten Ruf: Sie stehen für Qualität, Zuverlässigkeit und immer mehr auch für Nachhaltigkeit. Zudem bringen sie oft deutlich höhere Sozial- und Umweltstandards mit als andere Wettbewerber. Die Vorteile sollten sie nutzen.

Zum Investment in Zukunftstechnologien gehört auch die Produktion von klimaneutralen, transportfähigen Kraft- und Brennstoffen. Warum bietet sich gerade Afrika für solche Projekte an?

Was hat Afrika denn davon, wenn es beispielsweise grüne Energien für sauberen Verkehr in Europa liefert?

Wissenschaftler setzen große
Hoffnungen darauf, freigesetztes CO2 durch die Wiederaufforstung zerstörter Waldgebiete zu binden. Welchen Stellenwert nimmt künftig etwa die Anpflanzung von Schutzwald am Südrand der Sahara in der Sahelzone ein?

Es stimmt, die meisten afrikanischen Länder können solche Projekte noch nicht selber stemmen. Deswegen fördern wir Leuchtturm-Vorhaben und investieren in der marokkanischen Wüste über Kredite 800 Millionen Euro.
1,3 Millionen Menschen werden so mit sauberem Strom versorgt. Viele deutsche Firmen sind beteiligt: Siemens liefert die Turbine, die Firma Flabeg die Parabolspiegel und die Spezialröhren mit dem synthetischen Öl stammen von Schott Solar. Diese Zusammenarbeit wollen wir gerade für Mittelständler weiter aus­bauen. Dazu haben wir einen Entwicklungsinvestitionsfonds mit bis zu einer Milliarde Euro aufgelegt. Über 240 Anträge sind schon bei uns eingegangen. Wir erweitern den Fonds jetzt um ein Markteintrittsprogramm für deutsche Mittelständler im Bereich erneuerbare Energien. Mir ist es wichtig, Wachstumsfelder in Afrika zu identifizieren, in denen Investitionen besonders sinnvoll sind.

Für die Herstellung von grünem Wasserstoff oder Methanol werden große Mengen an erneuerbaren Energien benötigt. In Europa reichen die Quellen dafür nicht aus. Hier setze ich auf die Kraft der Sonne, die in Afrika 365 Tage lang scheint. Wir könnten dort die Kilowattstunde Strom für zwei Cent produzieren. Für die industrielle Wasserstoffproduk­tion strebe ich ein Industriekonsortium mit deutschen und afrikanischen Unternehmen an. Vor allem Länder in Nordafrika bieten sich als Produktionsstandorte an. Mit Marokko haben wir deshalb vor wenigen Wochen eine Forschungsplattform und den Start von Pilotprojekten vereinbart.

Das sind Win-win-Projekte: Wir helfen Afrika, einen grünen Entwicklungsweg einzuschlagen und schaffen Arbeitsplätze vor Ort, die die afrikanischen Länder mit ihrer jungen Bevölkerung dringend benötigen. Gleichzeitig entwickeln wir klimaneutrale Kraftstoffe, die für die Verkehrs- und Energiewende in Deutschland, aber auch in Afrika gebraucht werden. Und wir stärken so die Technologieführerschaft in Deutschland. 

Der Erhalt der Tropenwälder ist entscheidend für das Überleben der Menschheit. Die Waldzerstörung verursacht 11 Prozent der CO2-Emissionen. Das müssen wir sofort stoppen. Jede und jeder kann mithelfen. Zum Beispiel mit unserer „Allianz für Entwicklung und Klima“, die es seit einem Jahr gibt. Die 400 Mitglieder wie Bosch und SAP vermeiden und verringern Kohlendioxid. Die verbleibenden Emissionen kompensieren sie mit geprüften Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern, etwa zur Aufforstung. Das schafft zusätzliche, private Mittel für den Klimaschutz. 

Auf Afrika ruhten in der Vergangenheit so manche Hoffnungen, die sich später nicht erfüllten. Was stimmt Sie optimistisch, dass es beim Thema Klimavorreiter dieses Mal
besser laufen wird?

Mal angenommen, Afrikas Wirtschaft und Energieversorgung würden auf den alten Pfaden weiterwachsen. Was wären die Folgen?

Inwiefern könnte Technologie „Made in Germany“ die grünen Entwicklungssprünge in Afrika auslösen?

In der marokkanischen Wüste entsteht das modernste Solarkraftwerk der Welt. Solche Projekte kosten jedoch viel Geld. Wer soll das bezahlen?

„Afrika bietet ideale Bedingungen für die Herstellung von klimaneutralen Kraftstoffen wie grünem Wasserstoff
und Methanol.“