Verborgenes
Potenzial

Als zeitgemäß gelten heute Heizungen mit sogenannten Brennwertkesseln, bei denen mithilfe eines Wärmetauschers Energie auch aus dem Abgas gewonnen wird. Werden diese gekoppelt mit erneuerbaren Energien und perspektivisch mit E-Fuels effizient betrieben, rückt das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands in Deutschland in deutliche Sichtweite. Genau aus diesem Grund würde die finanzielle Förderung der heutigen effizienten Öl- und Gas-Brennwertheizungen unter Klimagesichtspunkten auch langfristig Sinn machen. Dies sollte bei Ausgestaltungen von staatlichen Förderprogrammen dringend bedacht werden.

In Deutschland sind derzeit etwa 20,7 Millionen zentrale Heizungsanlagen im Einsatz. Laut dem Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) nutzen davon über 90 Prozent gasförmige oder flüssige Energieträger, knapp 10 Prozent Marktanteil teilen sich Biomassekessel und Wärmepumpen. Unabhängig von der technologischen Reife und der hohen Betriebszuverlässigkeit all dieser Systeme lässt die BDH-Schätzung zur „Effizienzstruktur im Heizungsanlagenbestand“ nennenswerte Potenziale zur Energieeinsparung und Treibhausgasreduzierung erkennen. Insgesamt sind zwar bereits neun Millionen Anlagen entweder effizient oder „grün“ oder beides und damit eine hervorragende technologische Ausgangsbasis auf dem Weg zur Klimaneutralität. 57 Prozent aller zentralen Wärmeerzeuger sind aber auch noch als „unzureichend effizient“ einzustufen.
Nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) existiert eine grundsätzliche Verpflichtung, mehr als 30 Jahre alte Heizkessel auszutauschen. Allerdings sind Ausnahmen möglich: selbstverständlich für bereits installierte moderne Brennwertheizungen, aber auch für ältere Niedertemperaturheizkessel sowie für Anlagen, die bereits vor Februar 2002 in selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern installiert waren. Pro Anlage ließen sich mit einer modernisierten Heizung etwa 2,5 bis 3 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, hat der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) berechnet. Augenblicklich werden rund 550.000 alte Öl- und Gasheizungen pro Jahr modernisiert. Das ergibt eine Emissionsminderung von 1,5 bis 2 Millionen Tonnen CO2 jährlich. Ganz konkret spart eine neue Heizung bis zu 30 Prozent an Energie ein. Entsprechend geringer sind für die Verbraucher die Betriebskosten. Dem gegenüber stehen natürlich die Investitionen. So gibt das Onlineportal energieheld.de an, dass für ein neues Erdgasbrennwertgerät samt Installation und Inbetriebnahme mit Kosten von rund 6.000 bis 10.000 Euro zu rechnen sei. Ölheizungsbesitzer kämen mit 7.000 bis 9.000 Euro ein bisschen besser weg.

Klimaneutrale Wohnwärme
Politisch wird langfristig Klima­neutralität im Wärmemarkt angepeilt. Aber schon bisher haben die Haushalte in Deutschland eine Menge CO2 eingespart. Im Jahr 2000 emittierten sie noch rund 120 Millionen Tonnen. 2018 waren es nur noch knapp 80 Millionen Tonnen, also ein Rückgang um 33 Prozent. Auch künftig wird der Ausstoß von Treibhausgasen hier weiter sinken: durch energetische Maßnahmen an der Gebäudehülle und weitere Heizungsmodernisierungen im Bestand, vor allem dann, wenn Öl- und Gas-Brennwertheizungen anteilig mit erneuerbaren Energien kombiniert werden. In Baden-Württemberg ist das bereits seit 2010 Pflicht.
Nach gängiger Meinung werden Holzpelletheizungen oder Wärmepumpen bereits heute als „klimaneutral“ angesehen. Mittelfristig können aber auch effiziente Brennwertheizungen mit den Klimaschutzbemühungen in Einklang gebracht werden. „Synthetische Kraft- und Brennstoffe werden für eine CO2-neutrale Energieversorgung unverzichtbar sein“, heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Londoner Beraterunternehmens Frontier Economics. Die aus Ökostrom, Kohlendioxid und Wasser hergestellten E-Fuels, in modernen Brennwertheizungen eingesetzt, werden eine wichtige Lösungsoption für einen klimaneutralen Gebäudebestand sein.